Was ist die Amyloid-Antikörper-Therapie?

Die Alzheimer-Erkrankung ist eine langsam fortschreitende Erkrankung des Gehirns, bei der Nervenzellen nach und nach absterben. Ein wesentliches Kennzeichen ist die Ablagerung bestimmter Eiweißstoffe – sogenannter Amyloid-Beta-Proteine – im Gehirn. Amyloid-Antikörper sind Medikamente, die gezielt an diese Eiweißablagerungen binden und das körpereigene Immunsystem anregen, sie abzubauen. Dadurch kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt, jedoch nicht gestoppt oder geheilt werden.

In den Studien konnte über die Dauer von 18 Monaten die Verschlechterung der Gedächtnisleistung und Alltagsfunktionen um etwa 30 % verlangsamt werden.

Für wen ist die Therapie geeignet?

Die Therapie ist nur für Patient:innen im frühen Stadium der Alzheimer-Krankheit geeignet bei:

  • Leichter kognitiver Störung (MCI) oder leichter Alzheimer-Demenz und
  • nur bei Amyloid-Nachweis (durch Nervenwasseruntersuchung oder Amyloid-PET)
  • im MRT (Kernspintomografie) des Kopfes: keine Blutungen oder erhöhte Risiken für solche infolge von Gefäßveränderungen, größeren Durchblutungsstörungen
  • Keine oder nur eine Kopie des sogenannten Apolipoprotein E4 (APOE4) -Gens (ApoE 4/4-Status wegen erhöhtem Nebenwirkungsrisiko ausgeschlossen), wozu es einer genetischen Untersuchung bedarf
  • bei bestimmten Vorerkrankungen wie z.B. hypertensive Krisen, stattgehabter Schlaganfall oder eingeschränktem Immunsystem, muss die Therapieeignung gut überprüft und gemeinsam besprochen und abgewogen werden
  • Begleitperson während der gesamten Therapie notwendig

Wer kann nicht behandelt werden?

Die Therapie eignet sich nicht für Personen mit:

  • Mittelschwerer oder schwerer Alzheimer-Demenz
  • Anderen Demenzformen (z. B. vaskuläre, frontotemporale, Lewy-Körper-Demenz)
  • Fehlendem Amyloid-Nachweis
  • Einnahme stark blutverdünnender Medikamente (sog. Antikoagulanzien wie Marcumar, Apixaban, Rivaroxaban); Aspirin ist möglich
  • Vorangegangener Hirnblutung oder ausgeprägten Gefäßveränderungen im MRT
  • ApoE 4/4-Genstatus (homogygot)
  • Kontraindikation für MRT (z. B. Herzschrittmacher, nicht MRT-taugliche Implantate, starker Platzangst)
  • Epilepsie

Bei Vorliegen bestimmter anderer Erkrankungen wie z. B. hypertensive Krisen, stattgehabter Schlaganfall oder eingeschränktem Immunsystem, muss die Therapieeignung gut überprüft und gemeinsam besprochen und abgewogen werden.

Wie läuft die Behandlung ab?

  • Das Medikament wird intravenös als Infusion verabreicht, je nach Wirkstoff alle 2–4 Wochen.
  • Infusion-Dauer mind. 30-60 Minuten mit anschließend längerer Nachbeobachtung
  • Während des ersten Behandlungsjahres sind v.a. in den ersten Monaten mehrere MRT-Kontrollen (mind. 4) erforderlich, um mögliche Nebenwirkungen früh zu erkennen.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Neben häufigeren, meist leichten Infusionsreaktionen (z. B. Rötung, Schwellung, Fieber, Übelkeit) und Kopfschmerzen, kann es zu sogenannten Amyloid-assoziierte Veränderungen (ARIA) im MRT kommen, d.h. Schwellungen oder kleine Blutungen im Gehirn. Sie verlaufen oft mild oder symptomlos und bilden sich nach Therapieunterbrechung meist wieder zurück. Schwerere Nebenwirkungen sind sehr selten.

Kontakt

Termine, Folgerezepte und Auskunft erhalten Sie über unser Kontaktformular

Was wir vorab von Ihnen benötigen

Um Sie bestmöglich zu beraten und zeitnah klären zu können, ob die Therapie für Sie in Frage kommt, bitten wir Sie uns vorab folgende Vorbefunde zukommen zu lassen:

  • Frühere Arztbriefe, Befunde
  • Aktuelle Laborwerte
  • letzte MRT-/CT-Aufnahmen des Kopfes (auf CD oder digital, d.h. QR-Code oder teleradiologische Zusendung von der Radiologie-Praxis an die Radiologie der Uniklinik Essen)
  • Ergebnisse einer Lumbalpunktion oder Amyloid-PET
  • Aktuelle Medikamentenliste

Unterlagen zur Erstvorstellung

  • Überweisung (z. B. vom Hausarzt oder Neurologen)
  • Krankenkassenkarte
  • Ggf. die uns bisher nicht vorliegenden Vorbefunde (s.o.)
  • Allergieausweis (falls vorhanden)
  • Brille und Hörgeräte, falls erforderlich